Sonntag, 31. Januar 2016

Die smarten Produkte und deren wichtigsten Eigenschaften

Komponenten von smarten Produkten

Die wichtigsten Komponenten eines intelligenten Produktes kann aufgrund des folgenden Beispiels erklärt werden: 



Ein Parksensor, der dank der eingebauten Magnet- und Infrarot Sensorik, Software und Verarbeitungseinheit (Mikrokontroller) erkennt, ob ein Fahrzeug sich auf dem Parkfeld befindet. Er ist in der Lage, selbstständig die Veränderungswerte via GSM Konnektivität auf eine Cloud-Plattform zu melden. Solche Sensoren werden zum Beispiel in „Smart City“ Projekten verwendet. Häufig haben sie den Zweck die Verkehrsteilnehmer durch Leitsysteme über die freien Parkplätze (innen wie auch aussen) zu informieren und Emissionen zu reduzieren. Zusätzlich können gezielte und effiziente Kontrollen durch die Behörden durchgeführt werden. Die Darstellung in Abbildung 2 visualisiert ein typisches IoT Objekt, das in einem „Smart City“ Projekt in der Stadt Lenzburg zur Einsatz kommt.


Die Sensoren und Aktuatoren von Dingen

Vernetzte Produkte wie zum Beispiel Fahrräder, Zahnbürsten oder auch industriell genutzte Maschinen wie Kompressoren, Betonmischer funktionieren auf eine ähnliche Weise wie der Parksensor. Die eingebaute Sensorik, Steuerungseinheit und die Software definieren, welche Aufgabe(n) das Produkt erfüllen soll. Je nach Anwendung kann die eingebaute Sensorik unterschiedlich sein oder auch miteinander kombiniert werden. Um die ständige Veränderung der GPS-Position auskorrigieren zu können, wird zum Beispiel sehr oft auch ein Bewegungssensor genutzt, um festzustellen, ob dem Hund mit dem Tracking-Halsband (z.B. Petpointer) etwas zugestossen ist oder sich tatsächlich bewegt.

Nachfolgend sind einige Sensorarten von Smarten Produkten aufgeführt:
Quelle: Fell, 2014
Bei Aktuatoren handelt es sich um Elemente in Smarten Produkten, die Signale in mechanische Bewegung umsetzen. Beispielsweise ist in Apple Watch der Haptic-Touch ein Aktuator. Bei einer Notifikation (Email-Eingang) werden die Signale in ein leichtes Klopfen umgesetzt.
Quelle: Apple, 2016

Kostenentwicklung von Sensoren



Die durchschnittlichen Kosten von Sensoren sind während den letzten 10 Jahren um mehr als 60% von $ 1.60 auf $ 0.60 gesunken.

Die Elektronik und die Software


Quelle: Arduino Nano, 2016
Das Herzstück von praktisch allen IoT Objekten bildet die sogenannte „Physical-Computing-Plattform“. Im Normalfall ist die Verarbeitungseinheit (Mikroprozessor) und die Software auf der Plattform enthalten und sorgt für die Echtzeit Verarbeitung von Daten in vielen Anwendungsgebieten (Fell, 2014). Bei der Wahl eines eingebetteten Verarbeitungseinheites sind folgende Kriterien massgebend (Vasseur & Dunkels, 2010): 

  1. der Energiebedarf, 
  2. die physische Abmessung 
  3. der Preis.

Der Energiebedarf ist deshalb ein kritischer Faktor, weil die Objekte sehr oft mit Batterien betrieben werden. Diese Einschränkung hat Auswirkungen auf die Gestaltung des Hardwares, der Software, des Netzwerkprotokolls und der Netzwerkarchitektur. Die Hardware Komponenten müssen so energieeffizient wie möglich sein und die Software so gesteuert werden, dass ungebrauchte Chips und Module möglichst oft in „Energiespar-Modus“ gehen. Was aber wiederum Verzögerungen in der Kommunikation verursachen kann.

Das Design und somit die Grösse von IoT Objekten ist in vielen Anwendungen sehr knapp bemessen. Die Gründe dafür sind auf die Anwenderfreundlichkeit, Einsparung von Material, Lager und Transportkosten zurückzuführen. Deshalb spielt die Grösse eine zentrale Rolle. Diese Anforderung steht aber sehr oft in Konflikt mit der Energiequelle und den Kosten. Kleine, schnelle und energieeffiziente Komponenten sind vielfach nicht Preiswert. Da die Smarten Produkte sehr oft in grosser Anzahl hergestellt werden, haben kleine Einsparungen durch den Multiplikationseffekt der Herstellungsmenge eine grosse Bedeutung.


Prozessorkosten


Die Prozessorkosten wurden während letzten 10 Jahren um das 60-fache reduziert und immer mehr in Objekten eingebaut, damit nicht nur Daten übermittelt sondern sie gleich verarbeitet werden.





Big Data

Die vernetzten Objekte liefern riesige Mengen an unstrukturierten Daten. Big Data Analytics ist einer der Schlüsselfaktoren um aus Daten nutzbare Informationen abzuleiten und sie gewinnbringend einzusetzen







Die Konnektivität

Die Art der Datenübermittlung (Konnektivität) kann je nach Einsatzzweck, Einsatzort, genutzte Netzwerktopologie, Energiebedarf, Geschwindigkeit der Übermittlung, Reichweite und Kosten unterschiedlich sein. Nachfolgend sind einige Beispiele von kabellosen Verbindungsarten aufgeführt, die für unterschiedlichste Anwendungen zum Einsatz kommen.


Quelle: Karimi, K., & Atkinson, G., 2013

Verbreitung des Breitbandinternets und WiFi


Auch die Kosten von Breitbandinternet haben sich während letzten 10 Jahren um das 40-fache reduziert. Des Weiteren steht immer mehr kostenlose oder zu günstigen Konditionen Wi-Fi Abdeckung zur Verfügung.






Der Einfluss des Smartphones oder die Fernsteuerung von smarten Produkten



Smartphones etablieren sich weitgehend zur Gateways zur Smarten Produkten und dienen als Fernsteuerung oder Hub für das vernetzte Haus, Auto oder Gesundheits- bzw. Fitness Geräten, welche die Endkonsumenten immer mehr nachfragen und auch einsetzen.








Die Identifikation von smarten Produkten und IPv6

Die aktuelle Technologie IPv4 unterstützt die 32-Bit Adressierung und ist somit auf 4.3 Milliarden Adressen limitiert (und 50 Milliarden Objekten sollen bis 2020 vernetzt sein - siehe "Einführung in IoT"). 

Der Nachfolger, IPv6, unterstützt 128-bit Adressen. Bei dieser Methode stehen 3.4*10 hoch 38 (ausgeschrieben entspricht dies der unglaublichen Zahl von 340 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000) IP-Adressen zur Verfügung. 


Somit können auf ein Quadratmillimeter der Erdoberfläche 666’572'562'304'930'000 Objekte adressiert werden.



Energieversorgung

Als Energiequelle für die smarten Produkte stehen verschiedene Lösungen vor:
  1. Strom aus Hausleitungen
  2. Batterie/Akku
  3. aus Motorantrieb gewonnene Energie (Benzin-/Dieselmotoren - bei Fahrzeugen)
  4. Sonnenenergie
  5. Neue Energy Harvesting Methoden
Energy Harvesting stellt sicherlich eine sehr interessante Methode zur Energiegewinnung dar und macht die smarten Produkte unabhängig. Was bereits mit Sonnenstrahlen und Wind bereits praktiziert wird, stellen längst nicht die einzigen Methoden dar:

Quelle: elektroniknet.de, 2016

Zum Beispiel die Philips Hue Tap funktioniert vollständig ohne Batterien und die notwendige Energie wird beim klicken der Tasten erzeugt (kinetische/Bewegungs-Energie).


Quelle: Philips Hue Tap, 2016

Die, in der Einleitung vorgestellte Parksensor, nutzt das Low Power Netzwerk der Swisscom und kann somit mit herkömmlichen Batterien während 5-7 Jahren betrieben werden.







Sonntag, 25. Oktober 2015

IoT - Definition, Unterscheidung und Anwendungsbereiche

Die Definition von IoT

Die "International Telecommunication Union“ hat im Juni 2012 den Begriff "Internet of Things" beziehungsweise auf Deutsch "Internet der Dinge“ in ihrer Empfehlung mit folgendem Wortlaut definiert: "IoT dient als globale Infrastruktur für die Informationsgesellschaft zur Ermöglichung von fortgeschrittenen Dienstleistungen mit der Vernetzung von physischen und virtuellen Dingern, welche auf interoperablen Informations- und Kommunikationstechnologien basieren“ (International Telecommunication Union, 2012). Im Fokus dieser Definition stehen die Merkmale fortgeschrittene Dienstleistungen (Smart Services), die Konnektivität von physischen und virtuellen Dingen sowie die Interoperabilität

Etwas pragmatischer definiert, wird mit IoT die Vernetzung von physischen Objekten verstanden, welche mit Sensorik, Elektronik, Software, Konnektivität ausgestattet und eindeutig identifizierbar sind (Fell, 2014). Hinzu kommen die (Cloud-) Plattformen, wo Daten empfangen, verarbeitet und weitergeleitet bzw. für den Abruf gespeichert werden. Nicht zu vergessen ist die Sicherheit, die bei allen Übermittlungen von Daten zu tragen kommt (Karimi & Atkinson, 2013).

Abgeleitet von diesen drei Definitionen kann IoT wie folgt umschrieben werden: 
„IoT sind physische oder virtuelle Objekte, die mit Sensorik, Elektronik, Software, Sicherheitsmechanismen und Konnektivität ausgestattet sowie eindeutig im Internet identifizierbar sind. Durch ihre Ausstattung, Echtzeitdatenverarbeitung und Interoperabilität zwischen den Objekten oder über Cloud-Plattformen können fortgeschrittene Dienstleistungen angeboten werden.“

Die Unterscheidung von IoT Objekten

Während IoT beinahe schleichend Einzug in verschiedenste Gebiete unseres Lebens und auch in der Industrie einnimmt und immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten anbietet, können zwei Charakterisierungen abstrahiert werden, die der Zuordnung von IoT Objekten dienen:

Kategorie 1
Interaktion und Datenaustausch (Nutzen- und Prozessorientierung)

Hinter der ersten Kategorie verbirgt sich die Idee der Interaktion von Millionen heterogenen und vernetzten Objekten mit eindeutiger Identifikation, welche untereinander interagieren und Daten austauschen. Die Objekte dienen der Fernüberwachung und -kontrolle, Steuerung und zur Weiterleitung von Daten bzw. Informationen. Sie dienen weniger der Datenauswertung, um z.B. die Verhaltensmuster von Menschen zu identifizieren, sondern eher zur Automation und Vereinfachung der industriellen Prozesse (Karimi & Atkinson, 2013) – ein Beispiel hierfür wäre wie folgt:
  • Ein Aufzug meldet der Service-Zentrale, dass eine Störung vorliegt und ein Service-Techniker benötigt wird. 
  • Vorgang: Ein Zustandscontroller/-Sensor überwacht und meldet automatisch über eine Kommunikationseinheit den Zustand an den Server. Die Zentrale wertet die Daten aus und disponiert einen Techniker.


Kategorie 2
Datenverwertung (Business-Orientierung)

In der zweiten Kategorie geht es um die Fortsetzung der ersten: Die Sammlung und Verwertung der Daten für Vorhersagen aufgrund von Trends oder auch von Verhaltensmustern. Diese Informationen können verwendet werden, um ein gezieltes „Digital Marketing“ und „Advertising“ zu praktizieren. Oder die Informationen werden dazu verwendet, um neue nutzungsorientierte Abrechnungsmodelle zu implementieren (Karimi & Atkinson, 2013):
  • Der Aufzug fährt automatisch runter, wenn ein Bewohner sich nähert und fährt direkt zur richtigen Stockwerk hoch. Während der Fahrt erscheinen auf dem Display interessante Angebote vom Lebensmittelladen in der Nähe und die Lieblingsmusik wird dezent im Hintergrund abgespielt. Der Lift lernt die Gewohnheiten des Nutzers und kann aus Kalendereinträgen interpretieren, was die Intention des Liftnutzers sein könnte: Direkt in die Tiefgarage fahren, oder doch für eine Jogging-Runde im EG anhalten. Oder abhängig vom Trainingsziel hält der Aufzug ein oder zwei Stockwerke vorher an. Eine Störung kommt selten vor, da der Aufzug aufgrund von Nutzungsdaten in ihren Komponenten direkt selber einen Service Techniker jeweils bestellt, wenn einer benötigt wird.
  • Vorgang: Bei diesem Beispiel fliessen verschiedene Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen und werden in Echtzeit analysiert, interpretiert, entschieden und eine oder mehrere Aktion(en) ausgelöst. Der Integrationsgrad der Sensoren, Geschwindigkeit der Datenanalyse und die Algorithmen sind entscheidende Faktoren.


In der ersten Kategorie werden IoT Objekte für bestimmte und isolierte Telemetrie Aufgaben eingesetzt. In der zweiten bedienen sich die intelligenten Produkte aus weiteren Datenquellen und sind in der Lage, selber Entscheidungen zu treffen. Die Herausforderung dabei ist das Zusammenspiel der Komponenten:
  • Interoperabilität
  • Standardisierung der Kommunikationsprotokolle
  • deren Verwaltung (Device Management)
  • die Gewährleistung der Sicherheit und 
  • die Analyse-Kapazitäten von Daten 
(Kunze, 2015).

Anwendungsbereiche von IoT

Das Research Unternehmen, Beecham Research Ltd., untersuchte über 300 verschiedene IoT Objekte, welche sie in 9 Sektoren, 28 Anwendungsgebiete und Orte systematisch zugeordnet haben. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht, wie verbreitet IoT bereits heute schon ist und noch sein wird.

Die 9 Service Sektoren nach Beecham Research:
Quelle: Eigene Darstellung nach Beecham Reserach Ltd.


IoT / M2M - World of Connected Services
Quelle: www.beechamresearch.com

Dienstag, 13. Oktober 2015

Einführung in "Internet of Things"


Einer der wichtigsten technologischen Mega-Trends in der heutigen Zeit ist die Vernetzung von Objekten – das "Internet der Dinge", kurz „IoT“. Forbes, eines der erfolgreichsten und bedeutsamsten Wirtschaftsmagazine, hat in einer ihrer Publikationen zu diesem Thema berichtet, dass Unternehmen wie Cisco, GE oder IBM den globalen BIP Zuwachs mit IoT von ca. 10 bis 19 Billionen Dollar für die nächsten 20 Jahre schätzen (Press, 2014). Dass es sich bei IoT um keinen kurzlebigen technologischen Hype handelt, wird durch die Betrachtung der enormen Investitionen deutlich:
  • Der Such-Gigant Google übernahm letztes Jahr Nest Labs, Hersteller von intelligenten Thermostaten, für 3.2 Milliarden Dollar (Tilley, 2014) 
  • Die in der Schweiz führende Telekommunikationsgesellschaft Swisscom investiert in neue "Low Power"-Netzwerke in Städten, um kleine und akkubetriebene Objekte effizient vernetzen zu können – das Netz der Dinge entsteht. (Maron, 2015) 
  • Cisco Investments erhöht das bereits vorhandene Investitionsvolumen von 2 Milliarden Dollar, um weitere Unternehmen und Startup’s in den Bereichen der neuen Technologien u.a. IoT Firmen akquirieren zu können. (Cisco Systems, Inc., 2014) 

Der prognostizierte Einfluss im globalen Bruttoinlandprodukt und die Investitionsaktivitäten in der Wirtschaft führen zum Schluss: Der Vernetzung von Objekten wird eine sehr hohe Bedeutung beigemessen. Die dargestellten Kreise in Abbildung 1, die proportional zum jeweiligen Volumen gehalten sind, visualisieren welches Potential mit IoT vorhanden ist.


Quelle: Eigene Darstellung


Im Jahr 2013 betrug die Anzahl der Internetnutzer weltweit bei knapp 2.6 Milliarden. Bis 2018 wird die Nutzerzahl voraussichtlich nochmals um 0.8 Milliarden ansteigen (eMarketer; American Marketing Association, 2014). Auch wenn bis 2020 alle Babys, Kinder, Grosseltern das Internet nutzen oder alle Menschen mit Netzzugang zwei bis drei Telefone und Tablets besitzen würden, wird das Potential der Vernetzung der Menschheit mit 50 Milliarden IoT-Einheiten bis 2020 in den Schatten gestellt (Evans, 2011).


Doch was bedeutet konkret IoT, und wie ist die Wertschöpfungskette von „smarten“-Lösungen? Welchen Nutzen und welche neuen Geschäftsmodelle können sich durch die Vernetzung der Objekte ergeben? Und was muss das Management unternehmen, um neue innovative Wertangebote für die Kunden mit der Unterstützung von IoT anbieten zu können? In meinen folgenden Blog-Posts werde ich versuchen, diese Fragen zu beantworten und weitere Insights zu geben.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Die digitale Interaktion von Unternehmen #2

Seit einiger Zeit ist eine weitere Dimension als Interaktionsgruppe im Unternehmensumfeld dank "Internet of Things" bzw. "Internet of Everything", wie es Cisco gerne nennt, immer stärker im Kommen (und dies nicht seit es den Film "Terminator" gibt): Die Maschinen

Ob es sich um autonome Fahrzeuge handelt (Google ist Vorreiter in dieser Beziehung), Roboter in der Pflege (z.B. der Pflege-Roboter Twendy-One), einfache Haushaltsgeräte (Rauchmelder NEST) oder Roboter in Unternehmen sind (z.B. Robo-Lageristen bei Amazone), ich bin überzeugt, dass diese Gruppe im St. Galler Management Modell eingebettet werden muss.


Ich habe die Darstellung gegenüber der vorherigen Darstellung noch weiter verfeinert:

  • M2M - Maschinen als neue Interaktionsgruppe
  • B2C zwischen Lieferanten und Kunden habe ich wieder entfernt, da in Betrachtung aus einer Interaktionsgruppe immer weitere Verbindung zu anderen Gruppen geben wird.
  • B2B mit dem Staat wird in der Schweiz zumindest weiter zunehmen (siehe News vom Bund). Nur eGov als Kanal zu erwähnen wäre nicht ausreichend,

Sonntag, 2. November 2014

Die digitale Interaktion von Unternehmen

Die Anspruchsgruppen einer Unternehmung

"Eine Unternehmung ist niemals Selbstzweck, sondern sie erbringt ihre Geschäftstätigkeit, die einen gesellschaftlichen Nutzen stiften muss, in aktiver Interaktion mit verschiedensten Anspruchsgruppen." (Das neue St. Galler Management-Modell, Johannes Rüegg-Stürm) - Eine erfolgreiche digitale Transformation einer Unternehmung sollte nicht isoliert und auf die Unternehmung eingeschränkt in Angriff genommen werden. Gemäss dem St. Galler Modell hat eine klassische Unternehmung folgende Anspruchsgruppen:
  • Kapitalgeber
  • Kunden
  • Mitarbeitende
  • Öffentlichkeit / Medien / NGOs
  • Staat
  • Lieferanten
  • Mitbewerber
  • ....
Je nach Unternehmen und/oder Land können weitere Anspruchsgruppen vorhanden sein. Die Unternehmung muss für sich selber festlegen, welche Anspruchsgruppen wichtig und relevant sind.

Digitale Interaktionen mit Anspruchsgruppen

Eigene Darstellung, abgeleitet vom St. Galler Management Modell

Die digitale Interaktion zwischen der Unternehmung und den Anspruchsgruppen werden häufig wie folgt unterschieden:
  • B2B - Business to Business
  • B2C - Business to Customer
  • B2E - Business to Employee
  • eGov - eGovernment
Zwischen der Unternehmung (in der Mitte) und den Anspruchsgruppen (äussere Kreise) erfolgt der Informationsaustausch in dieser Darstellung auf dem digitalen Weg. Wie und was kommuniziert wird, kann je nach Anspruchsgruppe variieren. Für B2B ist evtl. genügend wenn Desktop Anwendungen zur Verfügung gestellt werden. Aber für die Kundschaft (B2C), die vermehrt auf Mobilität setzt, sind Kommunikationswege für mobile Endgeräte geeigneter. Dabei sollte aber auch geachtet werden, dass auch z.B. der Spediteur "Track &Trace" Services anbietet, die für Smartphones und Tablets optimiert sind. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Kunde eine negative Gesamterfahrung mit dem Produkt in Verbindung setzt.

In folgenden Post's werden die einzelnen Bereiche noch genauer durchleuchtet.


Montag, 20. Oktober 2014

Konvergenz in Mobile Business


Die heutigen bereits etablierten KMUs stehen vor neuen Herausforderungen. Sie sind sich an Vorgängen gewohnt, bei denen die Durchsetzung von neuen Technologien eher länger andauerte als heute mit der Durchdringung von mobilen Lösungen. Vergleichsweise brauchte das „normale/traditionelle“ Telefon 75 Jahre von der Markteinführung bis es 50 Millionen Nutzer verbinden konnte. Im Gegensatz dazu brauchte das iPhone lediglich 3 Jahre oder das Spiel „Angry Bird“ sogar nur 35 Tage um die gleiche Anzahl an Nutzer zu gewinnen. Die Durchsetzung von Technologien in der Gesellschaft ist heute im Vergleich zu früher um ein Vielfaches grösser geworden. Zudem zeigt die aktuelle Entwicklung, dass eine starke Konvergenz verschiedener traditioneller Bereichen bereits im Gange ist. Nach Bernd W. Wirtz werden folgende Konvergenzstufen unterschieden:


Die Herausforderungen für die Unternehmen
  • Die Konvergenz in Mobile Business ist unter anderem stark Technologie orientiert, schafft neue Möglichkeiten und eine Vereinfachung für die Endbenutzer. Im Hintergrund werden aber neue Herausforderungen geschaffen, welche für die bestehenden Unternehmen eine Anpassung ihrer bisherigen Prozesse oder die Anschaffung von neuen Systemen zur Folge haben. Beispiel: Die Entwicklung bzw. Anschaffung von mobilen Anwendungen (Web oder Native), deren fehlenden Interoperabilität mit bestehenden ERP Lösungen
  • Start Up’s ohne „Altlasten“, welche schon von Anfang an auf mobile Lösungen setzen, verdrängen die traditionellen Unternehmen. Um die eigene bestehende Marktposition halten zu können, werden neue Denkweisen benötigt. Die dafür notwendige Transformation kann für die Unternehmen sehr kapital- und/oder ressourcenintensiv werden. Beispiele: „Square“ macht jedes iPhones zu Bezahlterminals und verdrängt durch seine Einfachheit und günstigere Konditionen bisherige Akteure im Bezahlwesen (vorläufig erst in USA) oder „Uber“ - Taxi Bestellung, Tracking und Bezahlung mit App - gewinnt weiter an Marktanteilen auch in der Schweiz.
  • Der Geschäftsleitung eines KMUs fehlt der Überblick über die vielen Möglichkeiten im Mobile Business. Dies reicht von Mobile Search, Mobile Commerce, Mobile Payment bis hin zu Mobile Advertising und Mobile Marketing etc. Die Technologievielfalt zu verschiedensten Themen ist riesig und bietet je nach Anwendung Vor- und/oder Nachteile. Beispiel: Bei NFC (Near Field Communication) als Zahlungsmethode stellt sich die Frage, welche Gerätetypen sind in der Schweiz mit NFC ausgerüstet sind und wie hoch deren Verbreitung ist. Welche Grenzen gibt es? Ein Beispiel ist die Tatsache, dass der NFC Zahlbetrag auf CHF 40.00 limitiert ist.
Gemäss dem St. Galler Management Model, welches sich auch mit meiner persönlichen Einschätzung deckt, muss eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung gleichermassen durch Stabilität und Veränderung, durch Verunsicherung und erneute Vergewisserung, durch Wertschätzung der Tradition und unerschrockenes Beschreiten neuer Wege geprägt sein.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Disruption durch Mobile Internet


Innovationen und neue Technologien haben in der Vergangenheit immer wieder bewährte Geschäftsmodelle verdrängt und teilweise vollständig ersetzt - Disruption durch Technologien und Innovationen -  so zum Beispiel Kutschen durch Eisenbahn und Motorfahrzeuge, Schreibmaschinen durch Computer, Floppy Disk’s durch CD’s oder DVD’s, Analog-Kameras durch digitale Geräte wie Smartphones, usw. Mobiles Internet ist gemäss den Untersuchungen von McKinsey & Company eine der Technologien, die heute eine sehr starke Rolle spielt und in der Zukunft noch viel wichtiger sein wird. 

Mobiles Internet erfüllt die Voraussetzungen einer Disruption hinsichtlich folgende Punkte:

Geschwindigkeit
Disruptive Technologien schreiten in ihrer Weiterentwicklung sehr schnell voran oder/und haben eine hohe Durchdringungsrate aufgrund Ihres Preis/Leistungs-Verhältnisses im Vergleich mit den bisherigen Technologien. Einige Beispiele: 
  • 5 Million Dollar kostete der schnellste Computer (CDC-7600) im Jahre 1975. iPhone 4 hat die gleiche Performanz (MFLOPS) kostet aber 12’500 mal weniger. 
  • Der Verkauf von Smartphones konnte seit der Lancierung des iPhones im Jahre 2007 über das Sechsfache gesteigert werden.
Auswirkung
Damit eine Technologie ökonomisch eine Disruption bewirkt, muss sie eine grosse Auswirkung auf bestehende Produkte, Maschinen oder Lösungen haben und neue Märkte für Dienstleistungen, Techniken und Produkte eröffnen.
  • Durch mobiles Internet sind über 4.3 Milliarden Menschen mit dem Internet verbunden; somit wird für fast alle Unternehmen ein riesiger Markt für neue Produkte und Dienstleistungen zugänglich.

Ökonomische Wertschöpfung
Eine disruptive Technologie muss das Potential haben, einen massiven wirtschaftlichen Nutzen zu schaffen. Der Mehrwert spiegelt sich in der Profitabilität oder Einsparungen wieder.
  • 1.7 Billionen Dollar werden dem BIP (Bruttoinlandprodukt Welt) über Internet-Transaktionen zugeschrieben.
Aktuelle Analysen und Statistiken zeigen, dass im Jahr 2013 mehr Geräte, wie Smartphones oder Tablets, für das mobile Internet abgesetzt wurden als Laptops. Gemäss Bundesamt für Statistik besassen bereits 2010 92% aller Haushalte ein Mobiltelefon und 54% sogar zwei oder mehr Geräte. Per März 2013 nutzten 41.7% der Schweizer Bevölkerung das Internet mittels mobiler Geräte.



Die McKinsey & Company Analyse bezüglich der Disruption vom mobilen Internet zeigt auch auf, in welchen Bereichen die Disruption von mobilem Internet ihren Einfluss hat, beziehungsweise noch haben wird:

Grosse Auswirkung auf
  • Das Konsumverhalten
  • Neue Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmer
  • Produkte und Dienstleistungen
  • Ökonomisches Wachstum und Produktivität

Mittlere Auswirkung auf
  • Das Arbeitsverhalten
  • Die Verschiebung des Mehrwerts vom Produzenten zum Konsumenten
  • Organisatorische Strukturen

Latente bzw. potentielle Auswirkung auf 
  • Lebensqualität, Gesundheit und Umwelt
  • Die Verschiebung des Mehrwerts zwischen Produzenten oder Industriezweigen
  • Die Veränderung von Vorteilen einzelner Länder
  • Die Beschäftigung
  • Regulatoren und Gesetzte


Die aufgeführten Auswirkungsfelder, welche durch disruptive Technologien und Innovationen stark beeinflusst werden, deuten darauf hin, dass die bisherigen Geschäftsmodelle und Strategien überdenkt, überarbeitet oder gar neu definiert werden müssen. Ansonsten droht der gleiche Werdegang wie zum Beispiel der Schreibmaschinen-Industrie, den Herstellern von analogen Fotokameras (KODAK Pleite) oder ganz aktuell der traditionellen Uhrenindustrie (vergleiche dazu den Beitrag von SRF).